Einfache Story. Man sucht sich einfach den gefährlichsten oder abgedrehtesten oder kränksten Ort der Welt, fährt hin, filmt heimlich und redet dabei in eine Pocketkamera. Hilfreich ist es, wenn man einen Bart und wirre Haare hat. Wenn man ein Wort dafür erfinden müsste, dann wäre das wohl Kaugummi-Journalismus. Denn bestimmt kauen alle Protagonisten der Produktion sehr viel Kaugummi. Vor allem beim Schnitt, sitzen da in einem verranzten Schnittraum und kleben Unmengen von Kaugummi unter den Spanholzpressplattenschreibtisch. Es wird bestimmt sehr oft und sehr viel ‘Fuck’ gesagt, ausgelatschte Vans-Tunrschuhe auf dem Tisch und darunter ein riesiger Kaugummiklumpenberg. Ein hässlicher hautfarbener mehrschichtiger Gummistalaktit.
Jetzt noch ein kleiner Ironieteil: Voll gut, dass die ARD Dokumentationen und Reportagen streichen, kürzen oder irgendwohin verschieben will wo sie bestimmt niemand zu sehen bekommt, denn die Menschen wollen keine Reportagen und Dokumentationen. Die Menschen wollen Talkshows. Immer und gerne. Talkshows sind das Beste. Vor allem seit man da nicht mehr rauchen darf und ausschließlich engagierte Talkshowdarsteller da sitzen die immer und immer wieder reden, aber nichts sagen. Sehr bald wird das auch jemand bei Vice verstehen. Die ARD wird man anrufen, um Rat bitten und dann wird man Reinhold Beckmann und Frank Plasberg ausleihen - und beide leider auf einer Dienstreise in Nordkorea vergessen.
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