Dieses Slow Media Manifest

Es gibt ein neues Manifest. Es stammt aus Stockdorf und Bonn und wurde von der Kommunikations-Fachfrau Sabria David, dem European Operations Officer Jörg Blumtritt und dem Ethority Director Digital Strategy & Research Benedikt Köhler verfasst. Das Manifest führt den Begriff “Slow Media” ein und umkreist diesen in 14 Punkten.

Slow Media ist eine Art, Medien konzentriert, bewusst und konstruktiv zu nutzen…(*)

Okay. Leider bietet das Slow Media Manifest wenig Neues. Und wenig Interessantes. Die Ausgangslage ist recht klar und von vielen bereits treffend beschrieben worden: Wir leben in Zeiten des Wandels (wann sind eigentlich gerade keine Zeiten des Wandels) und im Internet gibt es sehr viele Informationen. Mehr Informationen als ein Mensch in mehreren Leben aufnehmen könnte. Ständig gibt es noch mehr Informationen. Verdammt. Unverschämt ist das. Und jetzt?

Wir schreiben ein Manifest. Das klingt gut. Denn irgendwie klingt es nach Aufbruch, nach Aktion. Wir ziehen die Zügel straff, nehmen das Heft des Handels in die Hand und positionieren uns damit ganz vorne. Und alle so Yeah!

Deshalb glaube ich, dass wir nach der spannenden Phase der Erfindungen jetzt in eine Phase der Entdeckungen kommen werden, in der er darum geht, herauszufinden, wie wir die ganzen neuen Kommunikationskanälen einsetzen können, um – Achtung! Jetzt wird es pathetisch! – die Welt oder das eigene Leben zu einem besseren zu machen.(*)

Was steht drin?

* Nachhaltigkeit ist gut - Aha!
* Monotasking ist gut - Aha!
* Perfektionierung ist gut - Aha!
* Qualität ist gut - Aha!
* Aktivität ist gut - Aha!
* Dialog ist gut - Aha!
* Belehrung ist blöd - Aha!
* Unterwürfig-Anbiedernd ist blöd - Aha!
* Empfehlungen sind gut - Aha!
* Eine “besondere Aura” ist gut - Aha!
* Progressiv ist gut - Aha!
* Reaktionär ist blöd - Aha!
* Qualität ist gut - Aha!
* Glaubwürdigkeit ist gut - Aha!
* Echte Menschen sind auch gut - Aha!

Und was sind jetzt Slow Media?

* Slow Media ist eine Art, Medien konzentriert, bewusst und konstruktiv zu nutzen
* Slow Media sind auch einladend und gastfreundlich. Sie teilen gerne
* Slow Media sind…
* Slow Media fördern…
* Slow Media zielen…
* Slow Media machen…
* Slow Media werben…
* …diskursiv und dialogisch, zeitlos, auratisch, progressiv….

Action speaks louder than words but not nearly as often.(*)

Die angemessene Reaktion auf diese Medienrevolution besteht leider offenbar darin eine handvoll recht offensichtlicher Erkenntnisse in Textform zu gießen. Dazu gibt es ein Blog mit sehr schönen Kulturgütern (alte Filme, alte Bücher), denn Slow Media sind ja schon da. Immer und überall im Alltag.

Slow ist, was uns inspiriert (*)

Dieser Ansatz ist mir leider vollkommen unklar. Es hat ja niemand etwas dagegen wenn man täglich das Feuilleton konzentriert auf Papier studiert und später beim Rotwein darüber paliert. Nur dürfte das bisweilen das ungeeignetste Mittel sein, um eine Phase der Entdeckungen einzuläuten. Um herauszufinden wie wir die ganzen neuen Kommunikationskanälen einsetzen, sollte man diese vielleicht nutzen.

Zettel´s Traum mag fesselnd und visionär sein. Interessanter für die Phase der medialen Entdeckungen sind aber vielleicht im Moment doch eher http://www.ushahidi.com/ & http://voicesofafrica.africanews.com/.

Es wird, auf Dauer, immer unwichtiger, was wir im langweiligen Nordwesten Europas von der ganzen Internetentwicklung halten. Klar ist Europa ein wichtiger Markt, aber entwickeln wir grundlegende und subversive Ideen, die die Netze in eine andere Entwicklung steuern? Kaum. Wir benutzen das Potential nicht, wir sind alle brave KonsumentInnen und late adapters (*)

Im diffusen Slow Media Manifest werden Taten angekündigt, die andere längst vollbringen - ohne diese reflexiv zu zerreden.

You want to turn it on its head. By staying in bed! (*)

  1. filmforest reblogged this from boesch and added:
    Originalpost… Was haltet ihr davon? Irgendwie...Grund, warum ich froh bin, dass
  2. boesch posted this