Der oft ohne Not als „Online Guru“ bezeichnete Blogger Jeff Jarvis hält Links für die wahre Währung des Netzes: „Links können ausgebeutet und zu Geld gemacht werden; verschaffen Sie sich Links, und Sie kriegen Publikum und können Anzeigen zeigen und Geld verdienen“, schreibt er. Das Jarvis nicht ganz falsch liegt mit seiner These zeigt seit Jahren der prominente Blogger Matt Drudge, dessen „Drudge Report“ zum unentbehrlichen Leitmedium für amerikanische Politiker geworden ist. Drudge ist parteiisch und selektiv, aber bis auf wenige Ausnahmen macht er Meinung nicht durch eigene Leitartikel oder Polemik, sondern alleine durch Verweise auf Geschichten, die er aus dem Netz zusammensammelt. Mit dieser Art von Journalismus gewinnt er keine Preise, erfüllt aber einen Job, den journalistische Institutionen als ihre ureigene Aufgabe betrachten und um dessen Verlust sie angesichts der digitalen Kakophonie jetzt bangen: die Vermittlung von Orientierung und Übersicht. Mit ein wenig Selbstbewusstsein könnte man ja zumindest mal versuchen, ob man als ausgebildeter Redakteur diese Aufgabe besser hinkriegt als ein Automat. Ein Kulturwandel ist das vor allem deshalb, weil man es bisher für fahrlässig gehalten hat, seinen Lesern Texte der Konkurrenz zu empfehlen. Drudges Beispiel (und wenn das nicht reicht: auch das von Google) aber zeigt: Die Leser kommen zu Seiten zurück, die sie wegschicken. Die „Washington Post“ probiert seit kurzem mit ihrem „Political Browser“ aus, ob die Leser honorieren, wenn sie auf Artikel der Konkurrenz hingewiesen werden – von Weblogs bis zur „New York Times“.