Via lorz auf Offenes Köln gestossen. Das sieht gut aus. Fühlt sich gut an. Und man bekommt unmittelbar einen Eindruck davon welches Potential in der Verbindung aus Daten und Karten besteht, wenn es Daten sind die vorher noch nicht so unmittelbar verortet waren. Auch wenn mich persönlich die Fortschreibung des Luftreinhalteplans Köln nur am Rande tangiert - auch wenn das vielleicht nicht so sein sollte - kann man sehr schön über zukünftige Anwendungen sinnieren, wenn Daten zeitnah automatisiert auf eine Karte gemappt werden und dann egal wo, auf jedem Gerät einfach durchsuchbar, bereitgestellt werden. Dafür nötig sind: relevante Daten, die sinnvoll aufbereitet werden und ein gutes User Interface mit sinnvollen Filtermöglichkeiten und eine soziale Anbindung.
Shan Carter arbeitet bei der New York Times und fertigt dort mit anderen interaktive Graphiken an. Die sind dankenswerterweise recht breit gefächert und immer oft anders als die Graphiken vorher. Hier erzählt Carter unter dem wahnsinnigen Titel “How I tried for years to find the perfect form for interactive graphics, how I failed, and why, whether a perfect form exists or not, I’ve stopped my desperate pursuit” über seine Arbeit und seine Erfahrungen. Der Titel sagt alles. Es gibt keine jahrzehntelange Tradition der interaktiven Graphik. Im Moment wird ausprobiert, evaluiert, verworfen oder fokussiert. Und manchmal findet man die Inspiration dazu eben auf dem Cover eines Kinderbuches, das bereits zuhause rumliegt.
The modern world is built on a series of vast systems, intricate combinations of people and machines, but our journalism isn’t really built to help us understand them. Das hat Jonathan Stray Ende September hier gebloggt. Der Artikel heißt: Journalism for Makers. Und ich glaube, dass es im Moment auf einmal ganz viele davon gibt.
Vielleicht ist ein Knoten geplatzt. Vielleicht ist irgendwas passiert. Auf jeden Fall fühlt es sich gerade so an, als ob an ganz vielen Ecken des digitalen Journalismus ganz viel passiert, um bessere, zeitgemäßere Produkte zu schaffen, die Inhalte nicht nur mehr oder weniger hübsch poliert präsentieren, sondern einen echten, klaren, wirklichen, dauerhaften Mehrwert bieten. Jeff Sondermann hatte das vor einiger Zeit hier gefordert.
In einem Poynter-Artikel verabschieden sich Chase Davis and Matt Wynn jetzt vom jahrelang gepriesenen “Content” und fordern “Produkte” - in a broader sense, we mean thinking about news apps as “products,” not “content,” and approaching the way we build them as designers and entrepreneurs, not reporters and editors. We mean Data Enterprise: decoupling news apps from the news cycle and investing more resources in products that are durable, engaging, useful – even profitable.
Maker culture is a way of thinking — a DIY aesthetic of tinkering, playing around, and rebuilding, all without fear of failure. Just the kind of thing journalism needs. (*)
Um einen ungefähren Eindruck vom Stand der Debatte zu bekommen, lohnt sich eine fünfteilige Serie von Daniel Sinker, die er in Vorbereitung auf das jetzt gerade stattfindende Mozilla Festival in London geschrieben hat. Thinking about Journalism in the Open: An intro.
Spannend klingt auch die Auswahl der Knight-Mozilla Fellows 2011/2012. Cole Gillespie wird bei Zeit Online arbeiten.
Gestern mit @philipbanse & @lorz & @annalena die zweite Datenschau aufgenommen. Bisschen kürzer, bisschen fokussierter und ein bisschen weniger hölzern, hoffe ich. Sehr angenehmer Austausch mit Leuten im Chat. Eine enorme Linkliste als Mehrwert zum Mitnehmen. Am 1. Dezember geht es weiter.
Over the last year, the explosion of these abominations called “infographics” has gotten overwhelming. The number of design-deficient morons making these is so ridiculous that you can fill an island with them. I’d do that. And then nuke it. Nein, damit ist nicht das Ding da oben gemeint. Denn das ist informativ. Und deswegen gut. You get actual information from the graphic. Not just big numbers on a page.
Bei Gizmodo ein Text zur Thematik F*cking Infographics. Verweis auf Megan Jaegerman -produced some of the best news graphics ever while working at The New York Times from 1990 to 1998. Her work is smart, finely detailed, elegant, witty, inventive, informative. Vergleiche: Techcrunch.
Bei Zeit Online ein Text über Next Media. Und in der ZDF Mediathek auch. Interessant in dem Kontext Game-Look-and-Feel noch mal das nachgebaute augmented Baseballspiel hier. Der Piratenpartei-Beitrag von Next Media ist auf jeden Fall harter Trash. Und die Linsay Lohan Version da oben ist sick. Bei all der Erregung: Über die manchmal tollen und manchmal hässlichen Zeichnungen aus Gerichtssälen hat sich wahrscheinlich noch nie jemand aufgeregt. Oder, doch?!
Many infographics are just plain bad. If you must do it, do it well. Kann man mal anmerken. Oder noch eine Infographik mit ähnlicher Stoßrichtung basteln.
“For 90 minutes, I photographed every airplane that flew overhead, and then I digitally stitched together the many individual photographs. I hoped to re-create the experience of living in a flight path by compressing an hour and a half into one apparently single moment.” D. Byron Darby / Good
While the open data movement campaigns for important information – such as government spending, scientific information and maps – to be made publicly available for the benefit of society both democratically and economically, the linked data movement (championed by the inventor of the web, Sir Tim Berners-Lee) campaigns for that data to be made available in such a way that it can be linked to other sets of data…
In her book How We Became Posthuman, N. Katherine Hayles argues that one of the major consequences of digitization is that we, as an informational culture, no longer focus as much on the distinction between presence and absence (“being there,” or not “being there”) as we do on the difference between pattern and randomness. In other words, “finding something new” (being there, being at dinner, getting the source to say something we didn’t know before) may not always be as important as finding the pattern in what is there already.
Beautiful Visualization
Es ist stockfinster, es ist Nacht, hinten ist das Meer, ein leichter Wind und die Gesichter leuchten. Auf der Terrasse sitzen diverse iPhones, zwei iPads, ein Android, ein Macbook und ein paar Notebooks. Das ist kein Nerdtreffen. Das ist ein Touristenhotel in Italien. Es gibt W-Lan. Und es gibt Fußball auf einer Leinwand. Hintergrundrauschen. Man kann jetzt semiberufliche E-Mails lesen, Filme runterladen oder Irgendwas bei Facebook machen. Finde das allerdings immer noch komisch, wenn man am Strand, im Wasser oder auf einer Terrasse beim Nudelessen telefoniert.
Lese gerade in dem 375 seitigen Mammutband Beautiful Visualization von O’ Reilly herum. Sehr klar, sehr anschaulich und sehr konkret. Zumindest die beiden Anfangskapitel. Das Ganze beginnt grundsätzlich. Was ist Schönheit? Okay, ein ästhetisches Urteil. Aber hier im Kontext reicht das nicht, ist nur eine von vier Komponenten - novel, informative & effective.
Schöne Herleitung anhand des Elemente-Periodensystems und der Londoner U-Bahnkarte. Gleichzeitige Erklärung warum diese neumodischen an die Londoner U-Bahnkarte angelehnten Infographiken meilenweit am Ziel vorbeischießen, nicht funktionieren und nur schwächliche Imitationen sind.
Auch sehr gut. Die Notwendigkeit des Storytellings beim Konzipieren und Erstellen einer Infographik. Welche Geschichte erzählt eine Karte. Welche Frage beantwortet eine Farbe. Dann ein Schritt für Schritt Tutorial zum Selbermachen. Leider eignet sich das iPad trotz beharrlich anderslautender Propaganda nicht mal im Ansatz zum produktiven Einsatz.
Data Journalism
Sie suchen ein sustainable Buzzword? Derzeit wärmstens empfohlen - irgendwas mit Data. Damit macht man in nächster Zeit wenig falsch. Denn angenehm groß, bedrohlich, unvorstellbar, wahnsinnig und immer weiter wachsend ist die Datenmenge im Netz. Das ist prinzipiell nichts Brandneues. Auch wenn die Zahlen in den letzten sieben Jahren noch einmal drastisch gestiegen sind. Bei ReadWriteWeb gibt es ein Video von einer aktuellen Marissa Mayer Präsentation dazu.
Komisch, dass das Thema Daten in weiten Teilen des deutschen Journalismus noch gar nicht, stiefmütterlich, schulterzuckend oder nur in kleinen Nischen abgehandelt wird. Oder übersehe ich da gerade was? Themen wie Datenaggregation, -verarbeitung und - aufbereitung sollten jetzt gerade heiß bearbeitet, diskutiert und vorangetrieben werden. Statt dessen wird immer weiter immer mehr redundanter Content ins Web geblasen. Warum eigentlich?
Eine erfreulich technische Auseinandersetzung findet derzeit im dpa-newslab statt. Und sonst? Hier ein paar Texte und Links zum Starten. Zentral für die Diskussion ist derzeit vor allem der technologische Aspekt. Voraussetzung für den Datenjournalisten ist ein Grundverständnis von Struktur und Ablauf im Netz. Die Zeit der Webannäherung ist vorbei. Einen Text in ein CMS setzen können reicht nicht mehr. Anschauen kann man sich diese Entwicklung sehr schön im Blog von Mindy Mc Adams, die schreibt nämlich seit Wochen auch fast nur noch über HTML5, jQuery & JavaScript. Also doch noch mal hinsetzen und diese Yahoo Pipe ausprobieren - oder eben lesen:
- Paul Bradshaw schreibt derzeit ein Buch über Data Journalism.
- Data Driven Journalism: Versuch einer Definition
- The golden age of computer-assisted reporting is at hand
- Why Journalists need to know Programming
- Self-Teaching Data and Programming Skills
- What can journalists learn from a web coder
- Is data journalism? Guardian Data Blog
- Das Open Data Network



