Auf die Frage, ob man mit Multimedia Geld verdienen kann, anworten 10 von 11 Befragten mit einem mehr oder weniger klaren “Ja”. Doch die wenigsten arbeiten ausschließlich für Medienunternehmen. Eine Umfrage im lab-Blog. #TE@CH
Man muss sich auch damit auseinandersetzen, dass es schlicht keinen nennenswerten Markt für journalistische Multimediaproduktionen gibt. Jedenfalls nicht zur Zeit und auch nicht in absehbarer Zukunft, dazu im überschaubaren deutschsprachigen Raum. Jungen Multimediajournalisten etwas anderes zu suggerieren, wäre m. E. nicht in Ordnung.
Multimedia My Ass
Habe ich meine Abneigung gegen die jesusähnliche Verehrung von Brian Storm schon öffentlich geäußert? Ja, es gibt tolle Produkte von Mediastorm. Ja, der dickliche Mann mit geschmacksunsicherem T-Shirt in der Hose kann toll reden und sich noch sehr viel toller vermarkten. Alles richtig. Nur warum wiederholt man diese Erkenntnisse seit mehren Jahren gebetsmühlenartig? Weil es einfacher ist mit dem Finger auf-was-auch-immer-zu-zeigen, statt selber in drei Minuten ein Blog anzulegen, sich für weniger als 5000 Euro professionelles Equipment zu kaufen, um dann eine unglaublich tolle Geschichte zu finden und zu erzählen?
Nicht jedes Produkt ist übrigens toll, nur weil es aus dem Haus einer jungen frischen Multimedia Storytelling Schmiede stammt. Wer das nicht glaubt, der kann sich ja mal das Gesamtwerk von Duckrabbit, Flying Bombay Club und ja auch Mediastorm anschauen. Bei aller Begeisterung. Viele dieser Werke sind viel zu lang und viel zu langweilig, um eine Revolution zu starten. Das macht nichts. Musste aber mal gesagt werden.
Multimediale Produkte für mobile Endgeräte sind ein brandneues Feld. Alles was man bis jetzt sagen kann: Das funktioniert nicht wie lineares Fernsehen. Das funktioniert auch nicht wie eine Print-Reportage. Nicht mehr. Und nicht weniger. Das Feld ist noch unbestellt. Vielleicht muss mehr Interaktivität her. Vielleicht sind Newsgames ein Weg. Vielleicht ist und bleibt das Ganze eine Nische.
Dann kann ich doch gleich ein Video drehen. Das hat eine Volontärin in einem Kurs gesagt. Vielleicht hat sie Recht. Denn Hand aufs Herz: Wie viele gesellschaftrelevante Multimedia-Reportagen haben Sie so in den letzten Wochen bis zum Ende angeschaut?
Auf all diesen Nachrichtenseiten da draussen gibt es dreißig Hände voll zusammengestöpselter Audio-Slideshows. Gucken Sie sich die an? Bis zum Ende? Ich lese lieber die Artikel.
Um alles gerade zu rücken. Ich mag Multimedia. Ich mag Videos. Ich mag Audios. Ich mag Datenvisualisierungen. Ich mag Initiativen wie Spill the Beans. Ich mag die Zukunft. Die wird übrigens nicht von Brian Storm gestaltet werden. By the way.
{Dislcaimer: Nein, ich habe die unfassbare Geschichte der Straßenkinder am Bahnhof von Delhi nicht erzählt und auch keine Fotoreportage von Menschen mit ihren Mobilgeräten gemacht und auch sonst viel zu viel Zeit mit dem Wie als mit dem Wann verbracht.}
Data, News & Gaming
Der Journalismus erlebt gerade seinen größten Entwicklungssprung seit Erfindung des Rundfunks, schreibt Wolfgang Blau in der Süddeutschen Zeitung. Das klingt gut. Ich hatte bis eben keine Ahnung. Ich wusste weder wann der Rundfunk** erfunden wurde. Ich wusste nicht von wem und ich wusste auch nicht wie. Wissen Sie das? Muss man ja vielleicht auch nicht. Man weiß ja wo es steht. Das mit Günther Jauch wird eh nichts. Um bei „Wer wird Millionär“ mitzumachen, muss man sich zumindest mal anmelden.
Adam Westbrook, ein junger Mann der sich derzeit die Finger wund tippt, um sich als gewichtige Stimme der neuen Onlinejournalistengeneration im Vereinigten Königreich zu etablieren, hat vor einigen Wochen eine Blogserie gestartet. Er hat verschiedene interessante Menschen aus verschiedenen Disziplinen befragt, wie sie die Zukunft des Journalismus sehen. Ein einfacher Blick über den Tellerrand. Recht schlicht eigentlich. Passiert trotzdem nicht so oft in einer Zunft, die sich rühmt ach-so-oh-so neugierig zu sein.
Auf jeden Fall habe ich da von Michelle Minkoff gelesen. Minkoff nennt sich Data Journalist und damit ist sie ziemlich weit vorne. Denn das Thema Data, Data Driven Journalism oder sonst eine Wortkombination mit Data ist gerade sehr en vogue. Zu Recht. Egal ob Crowdsourcing, Data Visualization oder interaktive Graphiken - hier wird gerade ein Weg aufgezeigt, wie Journalismus im Internet in Zukunft aussehen und funktionieren wird.
Am Anfang eines neuen Mediums finden sich in diesem Medium fast ausschließlich Formate alter Medien. Ich bin irgendwo an einem sinngemäß ähnlichen Satz hängen geblieben. Es wäre sehr interessant zu lesen, zu sehen oder zu hören, ob da am Beispiel Radio und Fernsehen was dran ist. Am, im und um das Internet herum kann man ohne Mühe feststellen: Das Internet war und ist in großen Teilen eine Fortführung des Print- und TV-Journalismus mit manchmal anderen Mitteln. Auch wenn es von Information Architects gestaltet wird.
Inzwischen gibt es genug Lektüre, um sich dem Medium Internet ganz State-of-the-Art-mäßig anzunehmen. Es gibt Mindy Mc Adams Schrift und es gibt ein aktuelles Handbuch des Herren der die Seite 10000Words betreibt. Eigentlich reicht die Lektüre dieser beiden Werke, um sich mit etwas Eifer und Spucke die grundlegenden Techniken des gegenwärtigen Onlinejournalismus anzueignen.
Bedauerlicherweise enden Diskussion zum Thema derzeit dann aber bald mit dem Hinweis doch bitte recht innovativ und mutig und experimentell zu sein. Man könnte und sollte ja mal eine App für das iPhone schreiben oder einen Videopodcast starten oder irgendwas mit Location based Services und / oder Augmented Reality machen. Könnte, sollte, müsste. Action speaks louder than words. Demos, not memos. Am Ende des Tages machen es auch immer die wenigen immer Gleichen.
Medium hin, Medium her - geändert hat sich wenig Grundlegendes. Die Menschen wollen Brot und Spiele. Blau nennt das in seinem Text Lagerfeuer. Ich würde das vielleicht in Info und Story unterteilen. Was wollen Menschen die im Internet herumklicken?
Für sie relevante Informationen am jeweiligen Ort, in der jeweiligen Situation („Right time“ statt „Real time“) und dann noch Geschichten.
Weil Menschen immer Geschichten und Gossip wollten und wollen. Um zu wissen wie man das macht, muss man sich lediglich einige Folgen des beliebten amerikanischen Podcasts „This American Life“ anhören. Und dann? Ähm, nachahmen. MIt den Techniken die man den beiden Büchern oben entnommen hat. Ganz einfach. Könnte, sollte, müsste.
Um das Schlagwort Multimedia mache ich jetzt mal hier einen großen Bogen. Weil es passt, nur ein Zitat aus so einem Buch über Informationsgrafik: Der Zweck von Visualisierungen sind Einsichten, nicht Bilder. Punkt. Weniger ist mehr.
Beim weiteren Rumdenken über Newsgames, Webdocumentaries und interaktive Datenvisualisierungen bin ich nach Browsergames via Canvas-Tag am Anfang angekommen. Bei der ersten Internetseite der Welt. Sie zeigt die fundamentale Notwendigkeit von vier Buchstaben. H.T.M.L.
Ohne HTML* kein Internet. Ohne Grundlagen kein Vorankommen. Werde in den nächsten Tagen dieses Buch über HTML5 lesen und darüber berichten.
Vorwärts immer, rückwärts nimmer!
* Die Hypertext Markup Language (HTML, dt. Hypertext-Auszeichnungssprache), oft kurz als Hypertext bezeichnet, ist eine textbasierte Auszeichnungssprache zur Strukturierung von Inhalten wie Texten, Bildern und Hyperlinks in Dokumenten. HTML-Dokumente sind die Grundlage des World Wide Web und werden von einem Webbrowser dargestellt.
**Tatsächlich präsentierte am 7. Mai 1895 Alexander Popow erstmalig diese Technologie in der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Am 24. März 1896 übermittelte seine Versuchsanordnung die Wörter “Heinrich Hertz” an eine 250 Meter entfernte Empfangsstation.
A web documentary (or multimedia documentary) is a documentary production that differs from the more traditional forms - video, audio, photographic - by applying a full complement of multimedia tools. The interactive multimedia capability of the Internet provides documentarians with a unique medium to create non-linear productions that combine photography, text, audio, video, animation and infographics. - Das Konzept ist nicht gerade brandneu, dürfte aber ggf. eine Renaissance auf dem iPad und seinen Konkurrenten erleben - falls nicht zufällig alles in Flash gebastelt wurde. Über Honkytonk ist heute offenbar ein Artikel in der SZ.

